Union Protestante Libérale

 

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Betrachtungen

- Steine, die trennen. Steine, die verbinden

-   Weihnachten (E.Winstein)

 

 

Rubrique : Betrachtung

 

Steine, die trennen. Steine, die verbinden
Zu Ostern

 

Markus 14.4 "...sie sahen, dass der Stein gerollt war".

 

"Wer wird uns den Stein rollen?" fragen sie.
Sie hatten nicht an den Stein gedacht.
Sie, die Frauen.
Vor dem Stein werden sie machtlos stehen bleiben.
Der Stein wird sie, die Frauen vom Leichnam Jesu trennen.
Ähnlich ist es mit uns bestellt, wenn der Tod eine vertraute Person von uns nimmt.

Sie sind dennoch bis ans Grab gegangen.
Warum sie nicht umgekehrt sind ?
Was werden ihre Aromaten nützen, die sie mitgebracht hatten.
Und siehe: der Stein war gerollt.

 

Steine trennen.
Steine verbinden auch.
Bevor es Menschen gab auf Erden, gab es Steine.
Steine töten.
Steine helfen zum Leben.
Man kann Steine werfen. Oder Steine aufeinander setzen.
Man kann auch Steine in ein Fenster werfen.
Unsere Vorfahren benutzen Steine, um sich zu wehren.
Bestimmt auch um sich zu nähren, um Nüsse zu knacken, und Körner zu zermahlen.

Steine liegen manchmal auf dem Weg - Im eigentlichen Sinne des Wortes.
Aber auch in der bildhaften Sprache :
Steine sind Hindernisse, die wir im Leben antreffen.
Steine sind Lasten, die wir zu tragen haben.
Steine sind Worte und Taten, die uns oder anderen Weh tun.
Steine sind das, was uns daran hindert unsere Pläne, die wir geschmiedet haben, zu verwirklichen.
Steine sind das, was das Leben verhindert sich zu entfalten.
Steine ist das, was Menschen voneinander trennt.
Steine sind Sünden, im biblischen Sinn von Trennung.
Der Stein vor dem Grab Jesu war ein Zeichen des Missglückten Unternehmens Jesu - Zeichen der unaufhebbaren Trennung - des unmöglichen Zugangs.

 

Und siehe der Stein war gerollt.

Von wem? Man wird es niemals genau wissen können.
Der Evangelist, der die Geschichte erzählt scheint uns ein Zeichen setzten zu wollen :
Allem Anschein zum Trotz, der Stein ist dennoch keine endgültige Trennung : Selbst, wenn er nicht gerollt gewesen wäre, hätte Wort und Tat Jesu noch Frucht getragen - und so wird es auch sein.
Aber nun ist der Stein wirklich gerollt :
Das Zeichen dafür, dass das Leben weitergeht, dass es wieder sprießen kann, ist gesetzt.

Und wir ? Steine werden weiterhin aus dem Weg zu entfernen sein. Aber Die Kraft ist freigegeben...
Deswegen stehen auch heute Lesungen wie der Lobgesang der Hanna, der Mutter des Propheten Samuels (1Samuel2) da. Sie sind Merkmale der sprießenden Kraft die unsere Welt bewegt und die wir als ein Zeichen der Gegenwart Gottes verstehen. Gott sprach und es wurde Licht (Genesis 1).

Der gerollte Stein ist ein Bild dafür, dass Gott da ist ; da in unserer Mitte,
...und hilft uns Steine aufzuheben.
... und sie zum Guten zu benutzen.
Damit Auferstehung Wirklichkeit gewinnt in dem Alltag des Lebens.

Ernest Winstein
Pâques 2009, Saint-Guillaume, Strasbourg

 

Damit Weihnachten an uns geschehe.

Ein Wort für den Weihnachtstag… und die Zeit danach.

„... Gott hat den Geist seines Sohnes gesandt in unsere Herzen, der da ruft : Abba, lieber Vater!“

(Galater 4, 6)

 

Man wendet soviel Energie und… Geld auf, während der “Vorbereitungszeit” auf Weihnachten... Und dann…?

 

Erleichterung am Weihnachtstag

25. Dezember. Ein Blatt hat sich gewendet. Weihnachten ist nun geschehen. Erleichterung!
Erleichterung, weil die Geburt geschehen ist - soeben wurde die Entbindung gefeiert!
Erleichterung, weil jetzt endlich Ruhe eingetreten ist.
Erleichterung, weil wir jetzt mit sachterer Innerlichkeit dem Geschehnis gedenken können...
Erleichtert ? Und wenn wir mit bangem Herzen diesem Fest entgegengegangen sind ? Und wenn die Angst uns fesselte, dass in der Stille des Festes, Vergangenes aus der Tiefe des Seins empor steigen könnte und uns unruhig bestimmen könnte ? Dass Verletzungen sich schmerzhaft empfinden lassen könnten... ?

 

Weihnachten ist geschehen.

Ist die Zeit, wie Paulus sagt, wirklich erfüllt ? Gewiss, der Apostel redet in dem “Weihnachtsbekenntnis" des Galaterbriefes von einem Geschehnis, das Kommen Gottes in seinem „Sohn“, durch das eine Zeit abgeschlossen ist, und eine neue Zeit anbricht. Gott ist in Jesus den gläubigen Menschen nahegekommen. Paulus entwickelt diesen Gedanken anhand eines Gleichnisses : Das Kind, das sozusagen vaterlos geworden ist, steht unter Vormundschaft. Wenn das Kind erwachsen ist, wird die Vormundschaft aufgehoben.
Paulus meint, dass auch die Galater, also ein für ihn heidnisches Volk, die zum Glauben gekommen sind, Kinder Gottes geworden sind. Die Frist der Unmündigkeit ist abgelaufen, und sie sind freie und, natürlich, verantwortliche Menschen geworden.
Wir könnten sagen, dass Weihnachten an ihnen geschehen ist!

 

Weihnachten geschieht

Für der Gläubigen, ist solch eine weihnachtliche Erfahrung an jedem Tag des Jahres möglich. Und vielleicht gerade dann, wenn endlich ein wenig Stille aufkommt. Wenn wir vertrauensfähiger werden.
Indem wir uns zu Jesus bekennen, nehmen wir den Rang eines Kindes ein, das unter dem Angesicht des Vaters aufwächst. Und dann auch befähigt wird, als erwachsener Mensch zu leben und zu handeln. Das „Vater unser“ zeigt, dass wir die gleiche Kindschaft mit Jesus teilen, aber auch das Erwachsensein. Er, der “Vater”, hat uns zuerst geliebt... Seine Liebesfähigkeit ist also nicht nur an Weihnachten “übergelaufen”!
Gerade, weil es in der Welt, oder im Leben allgemein, manchmal sehr hart zugeht, weil unsere Versäumnisse uns ins Wanken bringen, dürfen wir uns angenommen wissen. Wir sind nicht “heimatlos”, sondern haben ein “zu Hause”! Nähe, die Wärme bringt, fördert das Leben und unsere Tatkräftigkeit.
"Abba, lieber Vater", mache uns fähig, auch angesichts der harten Lebenswirklichkeiten, deine Liebe so zu erfahren, dass sie uns aufrichte.
Ernest Winstein